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Es gelten folgende Schutzmaßnahmen in der Marienkirche:


Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher achten auf hinreichenden Abstand. Sie sind gebeten, eine FFP2-Maske zu tragen  und diese mitzubringen.
Das gemeinsame Singen ist mit Maske gestattet.

Achten Sie bitte beim Betreten und Verlassen der Kirche auf die entsprechenden Abstände.

Besucherinnen und Besucher desinfizieren sich am Eingang die Hände. Dazu wird Desinfektionsmittel bereitgestellt.

Kollekten werden nur am Ausgang eingesammelt und je zur Hälfte den genannten Kollektenzwecken zugeführt.

Herzlich willkommen zum Gottesdienst in unserer
Evangelischen Stadtkirche St. Marien!

  


Kantor Manfred Grob, Orgel
(Info:  www.youtube.com/channel/UCw5y5zc9sX2wc8aT7lFf7zw)


>> Predigt / Andacht  <<

Predigt am Sonntag Kantate, 15.5.2022 über Kolosser 3, 1-4 u. 16f

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde

Wo wohnst du? Diese Frage wurde mir in den letzten Wochen häufiger gestellt. Ich bin aus der großen, ungeheuer praktischen Dienstwohnung im Gemeindehaus ausgezogen und in eine nicht minder praktische, schöne Privatwohnung eingezogen. Einen ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an alle, die zum Umzug beigetragen haben, vom Vermieter über die praktische Hilfe bis zur Beschaffung von Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Gerne wohne ich nun am Innenstadtrand und möchte gerne dort bleiben. Dabei weiß ich natürlich genau, was der Brief an die Hebräer an seinem Ende sagt (13, 14): „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“. Vielleicht kann ich in meiner Wohnung bis zur Pflegebedürftigkeit bleiben, vielleicht sogar bis zum Tod. Spätestens dann steht der nächste Umzug an, zum Hauptfriedhof oder zum Ostfriedhof, vielleicht auch zum Friedhof nach Niefern- Öschelbronn, wo meine Eltern begraben sind, in der Nähe der Familie meiner Schwester. Und dann?

Diese Frage hat Jesus seinen Jüngern in der Abschiedsrede beantwortet (Johannes 14, 1- 6). Jesus wusste um seinen baldigen Tod, als stellvertretendes Sühnopfer für die vielen, gemeint ist alle, Menschen, die sich verfehlt haben, sterben und dann einer neuen Heimat bedürfen. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, sagte der Gottessohn, was freilich Anlass zur Rückfrage bot. Die stellte der wissbegierige, um die Grenze seiner Einsicht kennende Thomas: „Herr wir wissen nicht wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?“ Im Himmel ist bekanntlich noch kein Erdenbürger so gewesen, dass er Auskunft geben könnte. Was es mit des Vaters Hause auf sich hat, war deswegen unklar. Jesus beantwortet die Frage personal: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich“. Die Gemeinschaft mit Jesus ist also der entscheidende Wegweiser, mehr noch, der Weg zu Gott an sich. Mit dieser Auskunft wird deutlich: es geht um mehr als die neue Adresse in der Zukunft. Es geht um die Reise schon hier und jetzt. In der Begegnung mit Jesus startet der uns bewusste Teil unseres Umzugs von der Erde in die himmlischen Regionen, wobei wir wissen, dass möglicherweise die Erde ihr Teil sein kann. Denn es heißt im ersten Brief des Petrus, dass wir auf den neuen Himmel und die neue Erde nach Gottes Verheißung warten (2. Petrus 3, 13). Es geht zur neuen Himmelerde, die Gott den Menschen versprochen hat. Und Jesus ist unser unverzichtbarer Reiseleiter dorthin.

Um diese Reise geht es in der österlichen Freudenzeit, deren Mitte wir mit dem Sonntag Kantate, mit dem heutigen Sonntag des Gesangs, erreicht haben. Jesus ist an Ostern auferstanden von den Toten und hat den Jüngern noch einmal geradezu ein Kompaktseminar über seine bisherige Wirksamkeit und die Zukunft seiner Freunde gegeben. Auf dem Weg nach Emmaus brannte den Jüngern das Herz (Lukas 24, 13- 35), als sie ihn als den Wegbegleiter erkannten, der sich nach der Offenbarung in Brot und Wein ihrer Anschauung entzog. Dem Thomas zeigte er seine Nägelmale (Johannes 20, 27). Am See Genezareth fingen sie nach erfolgloser Nacht auf Jesu Geheiß zu eigentlich unmöglicher Tagzeit 153 große Fische, sprich die Zahl der damals bekannten Völker (Johannes 21, 11), ohne dass das Netz zerriss: will sagen für alle ist Platz bei Gott. Zu Lebzeiten Jesu waren die Jünger bei ihm. In der Zwischenzeit nach der Auferweckung des Gottessohnes wurden die zentralen Erkenntnisse wiederholt, bis sich Jesus ihren Blicken mit der Himmelfahrt entzog, sie dann aber an Pfingsten mit der Kraft seines Heiligen Geistes ausrüstete. Und wieder kommt die Frage: Und dann? Der große französische Kirchengeschichtler Alfred Loisy beantwortet sie 1905 ein wenig resignativ mit der Auskunft: Jesus hat das Reich Gottes verkündigt, und gekommen ist die Kirche.

Ja, um die Kirche, um uns, geht es heute, allerdings absolut positiv gewandt, hoffnungsfroh und gewiss, die sich jetzt in besonderer Weise mit der Frage des Wohnens befassen darf und soll. Ja, wir fragen danach, wo und wie wir wohnen sollen und dürfen. Eine ganz zentrale Frage, die noch nie ihre Aktualität eingebüßt hat und die in dieser Zeit besonders drängend ist: Menschen fliehen vor Kriegen und vor Hunger, vor Klimawandel, Seuchen und Arbeitslosigkeit. Wir alle wissen um unsere begrenzte Dauer unserer aktuellen Wohnsituation, die spätestens mit dem Tod endet. Aber unsere Zeilen erweitern unsere Sicht unser Verständnis des Wohnens, lenken den Blick darauf, dass wir nicht nur irgendwo wohnen. Sondern in uns wohnt etwas, oder jemand, manches ganz unentrinnbar, lebensbegleitend, manches aber auch als unser eigener Entschluss, als Praxis unseres Lebens.

In uns wohnt unsere genetische Ausstattung. Insofern kann wirklich niemand aus seiner Haut heraus. In uns wohnen aber auch die Erfahrungen unseres Lebens, unsere ganze Geschichte, unsere Widerfahrnisse und was wir daraus gemacht haben. In uns wohnen aber auch, und damit kommen wir zu den Aufforderungen unseres Briefes, unser ganzes Verstehen und Gestalten unseres Lebens. Was kommt täglich dazu, was kommt rein, was lassen wir rein, was laden wir ein, was beeinflusst, gestaltet und prägt uns? Wie setzen wir die Erkenntnis um, dass das Gute in uns sich seinen Raum nimmt und auf diese Weise das Mühsame und Üble an den Rand schickt? Und was lassen und tun wir, was befindet sich in unserem Horizont, wofür sind wir verantwortlich? Mit unserer westlichen, jüdisch- christlichen Sicht gehen wir davon aus, eine Verantwortung für uns selbst und für unsere Mitwelt zu haben. Heute ist Wahlsonntag in NRW, und als Staatsbürger:innen sind wir aufgefordert, per Wahl unseren Willen zur künftigen politischen Gestaltung unseres Bundeslandes kund zu tun, unser Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Gerne möge das geschehen, indem wir selber uns für politische Gremien zur Verfügung stellen, die Meinung bilden und prägen, uns für Gesetze und Verordnungen einsetzen und sie mit verabschieden. Heute ist ein aktiver Tag, in politischer Hinsicht.

Aber heute ist auch ein aktiver Tag in geistiger, geistlicher Hinsicht. Welche Gedanken, Gefühle, Überlegungen, Eindrücke jeglicher Art haben Zugang zu unserem Hirn, zu unserer Seele, zu unserem Herz, zu unserem Willen. Um die Thematik des Wohnens aufzugreifen: Welche geistigen Strömungen und Ereignisse finden Einlass in uns- und was lassen wir in uns, unsere Herzen und Sinne dauerhaft einziehen, um dort zu wohnen? Vielleicht haben sie dieses Phänomen schon einmal in Ihrem Leben wahrgenommen: Entscheidend ist, was wir aktiv, bewusst, willentlich, gerne in uns wohnen lassen. Ja, natürlich müssen wir uns um unseren Lebensunterhalt kümmern, die Tagespolitik mitgestalten, dürfen weder Hunger noch Krieg aus unserem Leben verbannen. Wenn wir Herren und Damen unseres Lebens sein und bleiben wollen- was wir laut Auskunft des Briefes an die Epheser auch wirklich sollen, dann haben wir heute eine Aufgabe im Gottesdienst- und für zuhause: Das Wort Christi mögen wir reichlich unter uns wohnen lassen, wirklich reichlich, in aller Fülle, in seiner maximalen Wirksamkeit, in all seiner Herrlichkeit und Schönheit. Dafür dürfen wir gerne viel Zeit einräumen, geradezu verschwenden- um schließlich zu erkennen: Das Wort Christi in uns wohnen zu lassen erfüllt uns mit Frieden und Freude. Das Wort Christi nimmt besonders gerne gesungen Wohnung in unseren Herzen- schon, wenn wir es hören, intensiver noch, wenn wir es selber singen, es mit unserem Atem (im Hebräischen übrigens dasselbe Wort wie Geist) artikulieren, ja, geradezu beglaubigen. Unsere Chorleiterin Frau Schneider macht mit dem Chor momentan eine Lehrreihe über die Wirkweise des Atmens beim Singen- und was das zugehörige Singen auslöst- also herzliche Einladung, selber Teil des Kirchenchores zu werden!

Das Wort Gottes schafft, was es aussagt. Jesus hat seine Freunde gelehrt über ihn selbst, über den Vater, über den Heiligen Geist, über sein anbrechendes Reich, über seine Vollendung, unsere himmlische Heimat, unsere gegenwärtige Gewissheit im Glauben: wir sind sein Volk. Diese Gewissheit verstärkt sich, wenn wir unsere eigene Haltung beim Singen und Artikulieren der Wahrheit Gottes in Blick nehmen: bin ich dabei Gott zugewandt? Glaube ich, dass er Gutes für mich will, dann auch durch mich für andere, für seine Welt? Eine solche Haltung nennt unser Brief mit dem Wort, mit der Umstandsbestimmung „dankbar“. Wie also wohnt Gottes Wort in Dir? In Übereinstimmung mit Dir selbst, gerne zugelassen, bewusst bejaht, Mitmenschen einladend, in frohem, beglückendem Gesang? Wie auch immer Gottes Wort in dir wohnt: wenn es in Dir wohnt, dann wohnst du schon jetzt während deiner Erdenzeit - und dann für immer - bei Gott!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

C: Ingo Maxeiner, Evangelischer Kirchenkreis Dortmund

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Sammlung der "Predigten / Andachten / Impulse zum Sonntag"

Predigt Ostern 2022 (PDF)

Predigt am Sonntag Lätare 27.3.2022 (PDF)

Predigt am Sonntag Okuli 20.3.2022 (PDF)

Predigt am Sonntag Invokavit 6.3.2022 (PDF)

Predigt am Sonntag Estomihi 27.2.2022 (PDF)



Die Gottesdienst-Kollekte ist auch online möglich:

https://www.kollekte-online.de

oder herkömmlich per Überweisung an:

Ev. Kirche von Westfalen,  IBAN DE05 3506 0190 2000 0430 12,
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