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Es gelten folgende Schutzmaßnahmen in der Marienkirche:


Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher achten auf hinreichenden Abstand. Sie sind gebeten, eine FFP2-Maske zu tragen  und diese mitzubringen.
Das gemeinsame Singen ist mit Maske gestattet.

Achten Sie bitte beim Betreten und Verlassen der Kirche auf die entsprechenden Abstände.

Besucherinnen und Besucher desinfizieren sich am Eingang die Hände. Dazu wird Desinfektionsmittel bereitgestellt.

Kollekten werden nur am Ausgang eingesammelt und je zur Hälfte den genannten Kollektenzwecken zugeführt.

Herzlich willkommen zum Gottesdienst in unserer
Evangelischen Stadtkirche St. Marien!

  


Kantor Manfred Grob, Orgel
(Info:  www.youtube.com/channel/UCw5y5zc9sX2wc8aT7lFf7zw)


>> Predigt / Andacht  <<

Predigt am Ewigkeitssonntag, 20.11.2022 über Markus 13, 28-37

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde

„Wachet!“ Mit dieser Mahnung endet die Endzeitrede des Markus, und wir finden sie bereits in der Mitte unseres Predigttextes: „Seht euch vor, wachet!“ Wach geworden sind wir in diesem Jahr spätestens am 24. Februar, mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Wobei: wir hätten schon viel früher wach werden können: bereits im Jahr 2014 hat Russland die Regionen Donezk und Luhansk besetzt, dazu ein Flugzeug mit 298 Passagieren abgeschossen. Deswegen sind die Täter in dieser Woche in Amsterdam verurteilt worden. Georgien wurde bereits 2008 in einen Krieg mit Russland hinein gezogen. Dennoch wurde 2015 der Vertrag zum Bau der Pipeline Nordstream II besiegelt, angeblich als ein rein privatwirtschaftliches Projekt. Wir könnten noch viele andere Beispiele nennen: heute beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Quatar, wo es mit den Menschenrechten auch nicht weit her ist. Der Preis des späten wach Werdens: Langsam aufkommende deutsche Kritik am Eigentümer großflächiger deutscher Industriebeteiligungen lässt die erbettelten Gaslieferungen weit in die Ferne rücken.

Dabei gab es für alles oben Erwähnte Vergleichbares wie die in unserem Gleichnis notierten Zeichen der Zeit. Die Menschen damals konnten sie an den austreibenden Zweigen des Feigenbaums untrüglich erkennen und den nahenden Sommer ablesen. Gleichwohl war unsere Aufmerksamkeit bis zum russischen Einmarsch reduziert. Ja, untrügliche Anzeichen wurden herunter gespielt, auch umgedeutet. Das passiert in vielen Bereichen unseres Lebens und vielleicht auch bei dem Anlass, aus dem viele Menschen heute in den Gottesdienst gekommen sind: wir alle wissen, dass wir sterben müssen, dass unsere irdische Zeit endlich ist, dass es Sinn macht, sich mit diesem Ende zu befassen, für unsere Angehörigen, für uns selbst und für die Welt an sich. Davon ist in verschiedener Hinsicht in unserem Predigttext und in unserer Schriftlesung aus der Offenbarung die Rede.

Schon viele Menschen haben den Versuch unternommen, das Ende der Welt und die Ankunft ihres Herrn zu berechnen, vorherzusagen oder mit dem Hinweis auf das Ende ihre eigene Vorstellung von Leben und Vorbereitung auf das Ende durchzudrücken. Wir erinnern uns der verschiedenen endzeitlichen Bewegungen, die alles Eigentum verkauft und sich so auf die Ankunft unseres Herrn vorbereitet haben. Selbst der schwäbische Pietismus ist angesichts der Berechnung des Auslegers Johann Albrecht Bengel von dieser Haltung 1836 nicht verschont geblieben- obwohl die Mahnung in unserem Text eine ganz andere ist: klar und eindeutig steht hier, dass wir nicht wissen, wann die Zeit der Ankunft Jesu da ist, denn es sei, wie wenn ein Hausherr seine Gelände verlasse, Bevollmächtigte einsetzte und die Rückkehr offen lasse. Dementsprechend steht es auch uns gut an, auf jegliche Berechungen zu verzichten, zumal sie oft eine doppelte Fehleinschätzung bewirken. Sie fallen meist so aus, dass die Ankunft des Herrn so nahe sein solle, dass es gar nicht mehr lohne, seine eigene Haltung dem Erhalt der Schöpfung und der Menschheit anzupassen, andererseits suggerieren sie, die Ankunft des Herrn sei noch so weit weg, dass man sich keine Sorgen zu machen brauche.

Zur Wachsamkeit werden wir aufgefordert, was selbstredend nicht gleichzusetzen ist mit der Aufforderung, auf Schlaf zu verzichten. Darum geht es nun wirklich nicht, da wird keine 24/7- Kultur eingefordert, im Gegenteil, die angesprochene Wachsamkeit hat ganz andere Komponenten. Die können wir unter anderem aus der Offenbarung des Johannes entnehmen. Sie malt uns ein wunderbares Bild von dem neuen, dem himmlischen Jerusalem vor Augen. Das wird nach Auskunft des zweiten Petrus- Briefes (3, 13) eine gänzliche Neukonstruktion von Himmel und Erde sein, auf die die Menschen warten mögen. Wunderbar wird das Leben dort sein, ohne alles Leid, ohne Tränen, mit genug zu Essen und zu Trinken und vor allem mit der immerwährenden Gemeinschaft dessen, der Himmel und Erde geschaffen hat, mit Gott selbst. Er wird da sein, er wird die Menschen trösten, wenn das denn noch nötig sein sollte, leben sie doch dort im festlichen Frieden, den die geschmückte Braut symbolisiert. Freuen sie sich auf diese Zeit? Steht sie dauerhaft in ihrem Blick, zumindest unterschwellig, und gibt sie eine Grundfärbung ab für alle Betrachtung von unserer Existenz?

Wir sprachen vom Verdrängen dessen, was offensichtlich ist, von der Uminterpretation der Zeichen der Zeit, verursacht eben aus Mangel an Klarheit, was uns die Zukunft grundsätzlich bringt. Mit erheblichem Anlass konzentrieren und isolieren alle Diktaturen das Bewusstsein der von ihnen unterdrückten Massen auf sich und die eigene Zeit. Das tun sie, um eben die Einordnung unserer irdischen Zeit in das Gesamtgeschehen Gottes mit der Welt zu unterbinden. Sie wollen die Menschen in ihren Sorgen und Nöten belassen, um sich selbst als die Lösung der Herausforderungen zu installieren. Das passiert freilich zum Preis der letztlich heillosen und erfolglosen Bemühungen, eigenmächtig eine Welt von Frieden und Gerechtigkeit zu etablieren. Denn wer sich auf die Welt alleine konzentriert, ohne Gottes schöpferische und wiederherstellende Gegenwart zu erfassen, dem bleibt als letzte Perspektive nur der Tod. Das finden manche nicht schlimm, sie leben damit heiter und gelassen. Mag sein. Wir jedenfalls werden hinein genommen in Gottes Plan, die gesamte Welt zu verwandeln und zu erneuern. Diesen Plan, mehr noch, die Vollendung dieses mit Jesus Christus begonnenen Vorgang gilt es zu erwarten, willkommen zu heißen und in der eigenen Person zu festigen. Das passiert im Lesen, Nachsinnen, Beten, gemeinsamen Austauschen über Gottes Taten und seine Pläne. Unser Gott kommt. Wir kommen zu Gott. Die Vollendung dieses Verlaufs werden wir bei seiner bei seiner Wiederkunft erleben, am Ende der Zeiten, von denen hier in beiden Lesungen die Rede ist.

Wenn wir wachsam sind und Gottes Wirken in unser Leben hinein nehmen, dann bildet sich in uns die Gewissheit heraus: ja, das ist richtig, am Ende der Zeiten kommt Gott in all seiner Herrlichkeit und Pracht. Dann wird sich alles zu seinen und unseren Gunsten verwandeln. Dann wird er die Welt zu seinem Paradies umgestalten. Aber wir brauchen uns weder in diese ferne Zukunft zu flüchten, noch die Gegenwart zu verdrängen, noch die Zeichen der Zeit zu ignorieren. Vielmehr gilt: Gott hat längst für uns hier und jetzt gesorgt. Das hat er getan in Jesus Christus, unserem Herrn und Heiland. Er hat alle unsere Verirrungen und Verfehlung hinaufgetragen an das Kreuz. Wir sind ganz geborgen bei ihm, in allem, was uns ausmacht: in aller Gebrochenheit unseres Lebens, in unserem Schmerz, unserem Versagen, auch in unseren Freuden, unserer sich manchmal zeigenden vermeintlichen Grandiosität. Jesus sehnt sich danach, in uns die Kenntnis, die Gewissheit, die Erwartung auf die vollständige Verwandlung zu installieren: wir sind sein geliebtes Volk, berufen, ihm die Ehre zu geben und einander mit Liebe und Wertschätzung zu begegnen. Das gilt hier und jetzt, sofort und gerade auch angesichts unserer Trauer, der viele in diesem Jahr begegnet sind.

Wachsam sein, das heißt, alle Phasen unseres Lebens mit dieser tröstlichen Gewissheit auszustatten, uns in sie einzubetten, gerade dann, wenn wir uns schlafen legen, abschalten, in den Urlaub fahren, vielleicht selber in das Krankenhaus müssen, unsere Kraft geringer wird. Unsere Wachsamkeit vermittelt uns dann: es ist der Heiland Herr Jesus Christus, der über uns wacht, zu uns kommt und bei uns bleibt. Möge diese Gewissheit, dieser Trost uns einerseits befähigen, ganz und gar unsere Trauer wahrzunehmen, uns ihr zu stellen, uns lehren zu bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden, wie es der Psalmist (90, 12) in unserer Trauerliturgie sagt. Ja, wir haben Menschen verloren, die nicht mehr zu uns Irdischen gehören. Beginnend ab jetzt, werden auch wir irgendwann nicht mehr zu den Irdischen gehören. Bis dahin aber dürfen wir ganz zuversichtlich, im Bewusstsein des Kommen Gottes und damit zugleich absolut selbstvergessen, den Menschen zugewandt leben. Wir mögen tun was dran ist, hier und heute. Da stellt sich Vieles vor unsere Augen, Herzen und Sinne. Wir wissen, unsere Bemühungen sind möglicherweise nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein- aber genau das und keinesfalls weniger sind sie. Das gilt für den symbolischen Schluck Wasser für den Durstigen. Für das Wort des Trostes für den Traurigen. Für die Rettung aus dem schon sicher geglaubten Tod im Krieg oder in der Hungersnot. Es kommt auf uns an, wenn andere leiden, hungern, dürsten, frieren, dem Unrecht ausgesetzt sind. Mit Wort und Tat sind wir gefragt- und da kann jeder und jeder von uns einsetzen, was der eigenen Person zu tun möglich ist.

Zugleich und geradezu als Voraussetzung können wir uns hineinbegeben in eine Haltung der Vorfreude, der Erwartung der Gewissheit: ja, wir werden unsere geliebten Verstorbenen- und wohl auch die jetzt in unserer Erinnerung weniger Geliebten und Lieben- wiedersehen. Wir werden mit ihnen Gemeinschaft haben, dann aber doch ganz verwandelt sein: wir werden in der Fülle leben, wir alle mit unserem Platz und Raum, in Frieden und freudiger Überraschung im Blick auf alles, was da kommen wird. Denn er, der Gott, der kommt, ist unseren Herzen schon ganz nah. Spüren Sie die Gegenwart Gottes in sich? Und wenn nicht: sind Sie bereit zu akzeptieren, dass er die Welt geschaffen hat und weiterhin in der Hand hält? Dass Gottes Sohn Jesus Christus mit ihm selbst durch die Zeit, durch den Tod hindurch in die Ewigkeit hinein regiert? Dass er uns durch die Zeit in die Ewigkeit geleitet- ganz unabhängig von allem, was wir spüren? Sind Sie offen für diese faszinierende Realität von Gottes Heil, von unserem ewigen Wohl? Dann sind und bleiben Sie jetzt ganz wach!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

C: Ingo Maxeiner, Pfarrer im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund

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Sammlung der "Predigten / Andachten / Impulse zum Sonntag"

 Predigt am 17.Sonntag n.Trin 09.10.2022 (PDF)

Predigt am 11.Sonntag n. Trinitatis 28.8.2022 (PDF)

Predigt am Pfingstmontag 6.6. 2022. (PDF)

Predigt am Sonntag Kantate 15.5.2022 (PDF)

 



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