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Es gelten folgende Schutzmaßnahmen in der Marienkirche:


Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher achten auf hinreichenden Abstand. Sie sind gebeten, eine FFP2-Maske zu tragen  und diese mitzubringen.
Das gemeinsame Singen ist mit Maske gestattet.

Achten Sie bitte beim Betreten und Verlassen der Kirche auf die entsprechenden Abstände.

Besucherinnen und Besucher desinfizieren sich am Eingang die Hände. Dazu wird Desinfektionsmittel bereitgestellt.

Kollekten werden nur am Ausgang eingesammelt und je zur Hälfte den genannten Kollektenzwecken zugeführt.

Herzlich willkommen zum Gottesdienst in unserer
Evangelischen Stadtkirche St. Marien!

  


Kantor Manfred Grob, Orgel
(Info:  www.youtube.com/channel/UCw5y5zc9sX2wc8aT7lFf7zw)


>> Predigt / Andacht  <<

Predigt am 8. Sontag nach Trinitatis, 7.8.2022 über Matthäus 5, 13-16

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde

„Mehr Licht“. Das sollen die letzten Worte des großen deutschen Dichterfürsten, Johann Wolfgang von Goethe, an seinem Sterbetag, am 22. März 1832, gewesen sein. Überliefert wurden sie von Dr. Carl Vogel, Goethes letztem Leibarzt, niedergelegt ein Jahr später in Hufelands Journal der praktischen Heilkunst. Was auch immer von letzten Worten zu halten ist, auch in diesem Falle, meist geht es weniger um die Überlieferung an sich. Es geht mehr um die Kennzeichnung der Verstorbenen, ihrer Bedeutung für ihre Epoche, ihr kulturprägendes Erbe. Da passen diese beiden Worte des größten deutschen Literaten sehr wohl, als Charakteristik von Aufklärung und Weimarer Klassik, die mit Goethes Tod abschloss: Mit Wissen und Vernunft Licht in die dunkle Welt bringen. Mut haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, wie es Immanuel Kant forderte. Mit Rationalität die Humanität fördern. Gleichwohl, die Epoche von der französischen Revolution 1789 bis zur Ende des ersten Weltkriegs 1918 hat neben der wissensbasierten Selbstermächtigung  großer Volksteile eine heftige moralische Desilllusionierung mit sich gebracht: wo war sie geblieben, die ersehnte, fortschrittsfundierte Humanität, von den Schützengräben in Verdun über die Hungerwinter bis zur verheerenden Spanischen Grippe im und nach dem Krieg?

Eine besondere Art von Licht ist Thema unserer Lesungen zum heutigen 8. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, der sich mit den Fragen nach Reinheit, Stimmigkeit, Transparenz, schließlich dem letztgültigen menschheitlichen Ziel befasst: Frieden im Hause des Herrn, auf dem Zion, dem Wallfahrtsort der Völker, wohin sie alle streben werden. Geografisch in Israel verortet, wird aus der prophetischen Lesung doch deutlich: diese Sehnsucht überschreitet den menschlichen, den irdischen und zeitlichen Horizont, wohl auch die selbterzielbare menschliche Perspektive. In unserer ersten Lesung geht es um die Endzeit, um Gottes neues Reich, jenseits von Verfehlung und Sünde, dann, wenn unsere Schöpfung ganz neu geworden sein wird, wenn Himmel und Erde sich berühren und verwandeln, wenn der neue Himmel und die neue Erde da sein und sich in einen unendlichen Horizont vereinen werden, wie wie ihn in dem späten zweiten Petrusbrief (vgl. 3, 14) vor Augen gestellt bekommen. Schwerter zu Pflugscharen, nicht mehr lernen, Kriege zu führen, das waren Motto und Sehnsucht der Friedensbewegung, die von der DDR ausging, festgehalten sogar in einer sowjetischen Skulptur vor dem New Yorker Unogebäude. Und, ja, an dieser Sehnsucht, an dieser Utopie im klassischen Sinne, an diesem, wörtlich übersetzt, Nichtort sollten wir festhalten, ist er doch Gottes Verheißung für uns im hier und jetzt.

 Da leben wir in heftigen, geradezu apokalyptischen Herausforderungen, die wir freilich, so wie das geschichtlich immer in entspannten Zeiten zu geschehen pflegte, zudrückenden Auges in selbstgewählter Finsternis jahrzehntelang zu missachten versucht haben. Nicht gänzlich natürlich. Uns war schon klar: so geht es nicht weiter, spätestens seit den Untersuchungen des Clubs of Rome von vor 50 Jahren, aber natürlich auch in der Korea-, der Kuba- und der Vietnam- Krise, angesichts der Kriege um das Existenzrechtes von Israel, der atomaren Bedrohung- und was wir sonst noch als unaufhörliches Grundrauschen im leichtflüchtigen Schlaf mitbekommen haben. Ob jetzt der vor gut 25 Jahren am 27.4.1997 von ehemaligen Verfassungsrichter und Bundespräsidenten Roman Herzog geforderte Ruck durch unser Land geht? Es braucht schon mehr Licht, durchaus auch im aufklärerischen Sinne, in einer Zeit der Lichtverschmutzung, der Blendung und Verblendung, freilich in einer ganz persönlichen, existenziellen, Gott und uns selbst verbürgenden Weise. Von ihr ist in unserem zitierten Abschnitt recht am Anfang der Bergpredigt die plastische Rede: „Ihr seid das Licht der Welt“, heißt es da, von Jesus seinen Hörenden zugesprochen, den Jüngern zuerst und dann den Tausenden, die an seinen Lippen hingen, sehr wohl in unmittelbarer Widerspiegelung seiner in Johannes zitierten Selbstauskunft (8, 12): „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht im Finstern wandeln, sondern das Licht des Lebens haben“. 

Eben deswegen eilten sie ja alle zu dem großen Rabbi (vgl. Joh 1, 38.49 und öfter), weil sie Anteil haben wollten an dem Licht, das über die irdischen Begrenzungen hinausweist, das neue Räume eröffnet, das die Bedingungen von Verderben und Tod überwindet. Dafür ist ist Jesus gestorben, um der Angst der Menschen zu begegnen und dafür die Welt zu überwinden (Joh 16, 33), ohne sie in irgendeiner Weise in ihrer aktuellen, bedrängenden, tödlichen Charakteristik aus dem Auge zu verlieren. Jesus ist König, aber nicht von der Welt. Er ist in der Welt, um die Wahrheit zu bezeugen (Joh 18, 37), die er selbst ist, als Weg, Wahrheit und Leben (Joh 14, 6)- und eben insofern Licht. Und wir, die von Jesus Angesprochenen, die mit dieser Zusage Versehenen, ebenso Licht der Welt zu sein? Wir verbinden diese anfragende Beauftragung mit den Mahnungen unserer Lesung aus dem Brief an die Epheser. Sie klingen aus mit der aufrüttelnden Botschaft: „Wach auf, der schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten“ (5, 14). Physikalisch gilt: wo Licht scheint, da ist es hell, unweigerlich, ganz unabhängig von menschlichem Wollen oder Zutun. Von Christus erleuchtet zu werden, selber von der Dunkelheit zum Licht verwandelt zu werden, hat eine persönliche, existenzielle, aktive Komponente. Wach auf, lautet die Aufforderung Christi, und wir könnten ergänzen: sieh hin. Dokumentiere das Licht Christi mit Deinem Leben- woraus wir ersehen: Die Zusage, Licht der Welt zu sein in der Bergpredigt und die Aufforderung, aufzuwachen um von Christi Licht erleuchtet zu sein, die sind miteinander verschränkt, gehören notwendig zusammen- und wollen wir auch in dieser Doppelheit betrachten:

 Christus hat uns eingesetzt, sein Licht zu sein, als solches in die Welt zu scheinen, seinen Weg seine Wahrheit, sein Licht zu dokumentieren: dass er die Gerechtigkeit darstellt, dass wir alle Gott brauchen, um selber gerecht zu werden, damit aber auch wirklich gerecht sind (Römer 3, 21- 28), sprich angenehm bei Gott. Wo und wenn wir glauben, an unseren Herrn und Heiland, gilt ganz unverbrüchlich: ja, wir sind von Gott beschienen, sind sein Volk, reflektieren seine Gegenwart. Dieses Licht Gottes mögen wir bewusst und aktiv weiter geben, wirksam werden lassen, indem wir uns die Plätze zum Leuchten aussuchen: 

Jede und jeder von uns hat Gaben und Talente. Unser Dasein hat einen Effekt: der symbolische Schluck Wasser, dem Nächsten gereicht, das freundliche Worte, die tröstende Geste. Das alles wirkt. Diese Wirksamkeit werden wir zu unterfüttern gebeten mit der präzisen Ausrichtung unseres Daseins, im Kleinen wie im Großen: welche Worte sondere ich ab, was sage ich eigentlich? Welches Gedanken- und Wertegerüst etabliere ich in meinem Inneren- und was lasse ich da hinein kommen? Was durchdenke ich, bringe es nach vorne- und was filtere ich heraus? Wie bringe ich nach vorne und zur Geltung, dass ich Impulse zu gelingendem, beglückendem, Leid minderndem Leben setze? Und wo und wie halte ich Grunderkenntnisse in heutiger Zeit fest?

 Etwa, dass der liebste Mensch nicht in Frieden leben kann, wenn es ein böser Nachbar nicht will- und es gibt böse Nachbarn! Bin bereit, wehrhaft zu sein, mit Wort und Tat? Wie trage ich dazu bei, dass ich selber gesund bleibe und mein Nachbar auch? Und bin ich bereit, mich bildlich gesprochen auf einen Leuchter setzen zu lassen? Stelle ich mich für Organe des Selbstverwaltung in der Kirche, im Verein, in der Partei, im Seniorenbeirat zur Verfügung? Und bin ich auch bereit, im Wirtschaftsleben meine Frau, meinen Mann zu stehen, sinnvoll Geld auszugeben- und wenn ich dazu Gelegenheit habe, Wirtschaft und Gesellschaft zu steuern? Wohin gehen Ihre Spenden? Große Hochachtung habe ich vor allen Menschen, die sich in der Betreuung von Kindern, Bedürftigen oder Hochbetagten engagieren. Die in unserer St. Marien-Kirche Gäste empfangen, erklären, was es mit diesem Gebäude auf sich hat. Die in sich die Hoffnung und die Gewissheit aufrecht erhalten, mit Wort und Tat dafür einstehen: mit mir kommt Gottes Licht in die Welt. Da passiert, was Goethe gefordert hat, und wir erleben: Mehr Licht.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

C: Ingo Maxeiner, Pfarrer im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund

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Sammlung der "Predigten / Andachten / Impulse zum Sonntag"

Predigt am Sonntag Kantate 15.5.2022 (PDF)

Predigt Ostern 2022 (PDF)

Predigt am Sonntag Lätare 27.3.2022 (PDF)

Predigt am Sonntag Okuli 20.3.2022 (PDF)

Predigt am Sonntag Invokavit 6.3.2022 (PDF)



Die Gottesdienst-Kollekte ist auch online möglich:

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